Niveau – Auweia

Auweia, wenn wir über Niveau sprechen, dann wird es ein bisschen kompliziert.
Aber nur ein bisschen. Weil eigentlich ist es ganz einfach:

Spieltechnisches Niveau ist nicht gleich musikalische Qualität!

Das sind zwei verschiedene Paar Stiefel! Man kann auf hohem, spieltechnischem Niveau wunderbare Musik machen. Man kann aber auch auf einfachem, spieltechnischem Niveau wunderbare Musik machen. Die Charts sind voll von solchen Beispielen. Und man kann eben auch auf hohem, spieltechnischem Niveau qualitativ Minderwertiges produzieren.

Wenn einer in perfektem Bühnendeutsch im Zeitraffertempo das Telefonbuch auswendig rezitieren kann, dann ist das gewiss irgendwie auch eine Leistung. Über die künstlerische Qualität der Darbietung könnte man aber dann wohl diskutieren.

Ähnlich ist es in der Musik. guitarkick hat immer zuerst die musikalische Qualität im Fokus. Trotzdem macht es Sinn, spieltechnische Niveaustufen (SN) zu definieren, weil bei manchen Kursen eine Teilnahme nur dann Sinn macht, wenn gewisse technische Fähigkeiten vorhanden sind.

SN 0 Du hast noch nie eine Gitarre in der Hand gehabt. Wenn du jetzt aber meinst, du seist als Gitarrist ein totaler Anfänger, dann sehen wir das anders. Ein totaler Anfänger landet nicht auf dieser Website. Dein Gehör hat wohl schon hunderte von Stunden von Musik gehört, oft Gitarrenmusik und diese Informationen sind irgendwo in dir gespeichert. Da ist in Sachen Gitarre emotional schon schon einiges los bei dir. Als totalen Anfänger bezeichnet dich nur, wer die Fingerarbeit als Zentrum des Gitarrenspiels betrachtet. Diese Leute gibt’s. Bei guitarkick gehen wir davon aus, dass das Gehör das Zentrum des Gitarrespielens ist.

SN 1 Du hast mit mehr oder weniger Erfolg erste Versuche gemacht. Du hast angefangen, das, was an Musik in dir ist, auf das Instrument zu übertragen. Du kannst ein paar Griffe sicher spielen und vielleicht ein paar Licks und Melodien. Du hast mit Anschlagstechniken Erfahrungen gemacht und vielleicht schon ein Instrument gefunden, das dir gefällt. Vielleicht hast du aber auch noch Zweifel auf allen Ebenen.

SN 2   Die Gitarre gehört irgendwie zu deinem Leben. Du kannst die gängigen Akkorde sicher greifen. Auch einige Barrégriffe. Du fühlst dich in mindestens einer Anschlagstechnik einigermassen sicher. Du hast im Meldodiespiel erste Licks, Tricks oder Melodien drauf, von denen du sagen kannst, dass sie irgendwie „dein Stil“ sind. In diesem Stil hast du ein gewisses Repertoire parat, das du auch im Kaltstart abrufen kannst. Du hast Interesse an Improvisation und erste Gehversuche diesbezüglich hinter dir.

SN 3 Du kannst und willst dir einen Alltag ohne Gitarre nicht mehr vorstellen. Du fühlst dich sicher in deiner liebsten Anschlagstechnik. Du kannst die fünf wichtigsten Barré-Griffe schnell und sicher greifen und Tonleitern und Melodien in einem mittleren Tempo sauber spielen. Du fühlst dich mit der rechten Hand sicher mit deinen liebsten Rhythmuspatterns und hast im Melodiespiel ein gewisses Repertoire an Linien und Figuren drauf. Du hast Interesse an Improvisation und diesbezüglich schon ein paar Licks und Tricks im Repertoire.

SN 4   Du musst nicht mehr so oft auf’s Griffbrett schauen. Du kannst das, was an Musik in dir ist ausdrucksstark auf das Instrument übertragen. Du weißt auf dem ganzen Griffbrett wo die Töne sind und kennst die elementaren Gesetzmässigkeiten. Du hast deine liebste Anschlagstechnik bis ins Detail ausgefeilt. Vielleicht beherrschst du verschiedene Anschlagstechniken. Du kannst improvisieren und hast im freien Spiel ein Stück weit musikalische Identität gefunden.

SN 5 Du hast all das, was SN 4 schon hat, solide drauf, das Meiste auch im Dunkeln. Und du kannst es so bringen, dass bei den Zuhörern Hühnerhaut entsteht, der Kiefer unten bleibt und sie Tage später noch von deiner Musik erzählen.

Fazit: Wie immer, wenn man Menschen in Kategorien unterteilt, ist das subjektiv und man wird nicht allen gerecht. Andere setzen die Schwerpunkte anders und das ist gut so. Zum Beispiel Virtuosität oder das Spielen ab Blatt hat bei uns keinen hohen Stellenwert. Jimi Hendrix hat auch nicht ab Blatt gespielt, Django Reinhardt und Eric Clapton auch nicht. Andere können es und machen auf diesem Weg gute Musik. Einige unserer Gastmusiker können es auch. Andere nicht. Im Allgemeinen kommt aber bei guitarkick Papier eher sparsam zum Einsatz.                    home